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1. Mittelsächsisches Genealogiekolloquium in Limbach-Oberfrohna

02.11.2013

Dr. RößlerDer erste Tag des auf zwei Tage angelegten Kolloquiums war bereits sehr gut besucht. Ca. 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hörten die Begrüßung durch den Schirmherrn, den sächsischen Landtagspräsidenten Dr. Matthias Rößler, der die enge Verzahnung von Ortsgeschichte und Familienforschung betonte und auf die Revolutionierung der Forschungsmöglichkeiten durch Internet und Datenbankangebote hinwies. Doch hinter all diesen Angeboten, die wesentlich dazu beitragen, Zeit und Reisekosten zu reduzieren stehe nach wie vor traditionelle Forschungsarbeit.

Auch die sich anschließenden Vorträge waren gleich gut besucht. 

Im Vortrag über „Ortschroniken als Bindeglied zwischen Familien- und Heimatforschung“ ging der Referent zunächst auf die Quellengattung der Ortschroniken an sich ein und betonte dabei, dass Ortsgeschichte immer auch Zeitgeschichte sei und meinte damit, dass der Duktus einer Ortsgeschichte den Zeitgeist, in dem sie entstanden ist, stark wieder spiegelt. Ein wesentliches Problem von Ortsgeschichten ist, dass (in der Vergangenheit) vielfach auf Quellenangaben verzichtet wurde, sie dafür aber oft Hinweise zu einzelnen Personen des Ortes liefern, auf die man ohne die Ortschronik nicht stoßen würde.

Bei der Vorstellung des Bergarchivs Freiberg als Quelle für den Familien- und Heimatforscher holte der Referent weit aus und begann mit der Erklärung, was ein Archiv eigentlich ist und was es nicht. Dem ein oder anderen Zuhörer mag das nichts Neues geboten haben. Interessant wurde es dann aber, als er auf Beispielakten zu sprechen kam und welchen Informationsgehalt diese für die Genealogie bieten können.

Im Vortrag über Namenforschung als Hilfsmittel in der Familien- und Heimatforschung erfuhr der Zuhörer, dass Namenforschung sich nicht nur auf Familiennamen und Vornamen bezieht, sondern auf alle Arten von Namen, so z. B. auch auf Tiernamen.  Die Namenberatungsstelle in Leipzig hat zwar seit etlichen Jahren keine eigene Professur mehr (letzter Professor war Dr. Udolph) und es können keine Masterstudiengänge mehr absolviert werden. Aber darum ist die Beratungsstelle allen Gerüchten zum Trotz nicht tot. Das Wahlfach Namenforschung  bietet jedes Semester 30 Plätze um die sich 200 bis 300 Bewerber bemühen. Studenten werden in wissenschaftliche Arbeit mit einbezogen und Kontakte zur  Deutschen Zentralstelle für Genealogie in Leipzig  werden gepflegt. Die weiteren Ausführungen gingen auf die Geschichte der Namenforschung in Deutschland, dann auf die Geschichte der Familiennamen und die Arten von Familiennamen an sich ein.

Im Erfahrungsbericht des Genealogiestübchen Zwönitz hörten die Anwesenden u. a. über diverse Probleme mit Einschränkungen durch verschiedene archivführende Stellen.

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Nach dem Mittagessen schließlich bekamen wir einen sehr ausführlichen Bericht über die Bestände der Deutschen Zentralstelle für Genealogie in Leipzig, der von ASTAKA über Leichenpredigten und Kirchenbuchverfilmungen etc. bis hin zur Sammlung der Ortsfamilienbücher reichte und Einblick in die Geschichte der Zentralstelle sowie ihre intensiven Bemühungen berichtete, Bestände in Form von digitalen Findbüchern online recherchierbar zu machen.

Mit etwas Verspätung, die der Dichte des Veranstaltungsprogramms geschuldet war, startete die Podiumsdiskussion, an der Vertreter von vier Genealogieprogrammen sowie ich als Vorsitzende des Vereins für Computergenealogie teil nahmen. Hier nahmen deutlich weniger Zuhörer teil (ca. 30 bis 40) , wohl vor allem, weil diese Veranstaltung mit dem Rahmenprogramm konkurrieren musste (Führung Stadtlehrpfad, Führung Esche-Museum).

Zunächst stellten die Teilnehmer sich und ihr Programm vor. MLCarl nannte die Mailingliste Gedcom-l auf den Servern des Vereins für CG als Podium für die Programmautoren zur Vereinheitlichung der Interpretation des Gedcom-Standards. Die Programmautoren waren sich einig, dass diese Einrichtung erheblich zur Verbesserung des GEDCOM-Austauschs programmübergreifend beigetragen hat und das sie heute kaum noch von Importproblemen hören.

Die gestellten Fragen beschäftigten sich mit den oft wieder kehrenden Fragen wie „Kann Ihr Programm mit Adoptivkindern umgehen“, „Welches ist das beste Programm für mich“, „kann man Daten aus Excel in GEDCOM umwandeln“, „Wie werden Implexe behandelt und dargestellt“ etc. pp.

Einige interessante Aspekte: Genealogieprogramme sind selten teurer als ein Abendessen mit der Familie (zw. 40 und 150 Euro), damit ist die finanzielle Aufwendung für ein Programm verschmerzbar. Nicht jedes Programm eignet sich für jede Aufgabenstellung gleich gut (und will das auch gar nicht). Darum ist der ordentliche GEDCOM-Austausch das KO-Kriterium für den Kauf eines Genealogieprogrammes. Bei der Kaufentscheidung kann die „Familienforschung“ (Magazin des Vereins für Computergenealogie) durch ihren Programmteil, in dem viele Programme kurz mit den wichtigsten Merkmalen vorgestellt werden und die beiliegende CD mit vielen Testversionen der Programme dabei helfen, die richtige Kaufentscheidung zu treffen.

Es hätte sicher noch vieles zu fragen und zu besprechen gegeben, aber die für die Diskussion vorgesehene Zeit war längst überschritten. 

Jetzt freuen wir uns auf den abendlichen Gedankenaustausch bei leckerem Essen und mehr oder weniger alkoholischen Getränken ;-)

Es grüßt die Daheimgebliebenen 
Eure Marie-Luise Carl

PS: alle Vorträge wurden aufgezeichnet und werden Montag online gestellt. Die Adresse gebe ich dann noch bekannt.

 
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